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Theaterblog

GLOSSAR zur Produktion Götterdämmerung

Cyborg Das Akronym aus dem englischen »cybernetic organism« bezeichnet ein Mischwesen aus Biologischem und Technologischem. Es existieren verschiedene Definitionen, ab welchem Verhältnis beider Anteile von einem Cyborg gesprochen werden kann, schließlich haben technische Medizin-Implantate wie Herzschrittmacher, Prothesen etc. bereits heute eine weite Verbreitung.

Deep Blue Dem von IBM entwickelten Schachcomputer gelang es 1996 als erstem Computer, den damaligen Schachweltmeister Garri Kasparow zu besiegen. Jedoch gewann Kasparow das insgesamt aus sechs Partien bestehende Turnier. 1997 konnte Deep Blue ein zweites Turnier gegen Kasparow für sich entscheiden. Zuvor war sein Code verbessert worden, jedoch durch manuelle Updates, nicht durch maschinelles Lernen wie bei einer KI.

ELIZA-Effekt 1966 entwickelte der Informatiker Joseph Weizenbaum das Programm ELIZA, das als Prototyp des modernen Chatbots gilt. Weizenbaum wollte eigentlich die Unmöglichkeit von substanzieller Kommunikation zwischen Mensch und Maschine demonstrieren. U. a. durch seine Sekretärin, die angeblich nach kurzer Zeit auf die simplen Antworten des Programms hin intime Details verriet, wurde er eines Besseren belehrt.

Exoskelett Der erste Versuch, ein künstliches Skelett zu entwickeln, das dem/der Träger*in beispielsweise das Tragen großer Lasten ermöglichen könnte, war bereits 1965 der Hardiman des US-amerikanischen Unternehmens General Electric. Das Projekt wurde eingestellt, da das Exoskelett für menschliche Bewegungen viel zu schwer war. Seit den 2010er Jahren haben Weiterentwicklungen für militärische, aber auch medizinische und arbeitsplatzergonomische Anwendungen neues Interesse an der Technologie geweckt, die unter dem Namen »wearable robots« firmieren.

Kryonik Analog zu Vorbildern in der Natur (Waldfrosch, Gallmücke) besteht der Traum, mittels Kryokonservierung Organe wie das Gehirn oder ganze Körper mittels flüssigen Stickstoffs bei –196 °C einzufrieren und später wieder funktionstüchtig aufzutauen. Bislang funktioniert das Verfahren jedoch nur auf der Ebene von Zellproben und kleineren Organen. Weltweit haben sich trotzdem schon heute einige hundert Menschen entschlossen, ihre eigenen Körper zu kryokonservieren.

Longevity Der US-amerikanische Unternehmer Bryan Johnson verwirklicht seit 2021 sein »Project Blueprint« mit dem Ziel, sein Leben zu verlängern. Dazu unterzieht er sich eines strengen Diät- und Trainingsregimes, medizinischer Prozeduren und schluckt Massen von Pillen. Es braucht 30 Angestellte, um das Programm umzusetzen. Den Tod sieht Johnson als »technisches Problem, das sich lösen lässt«.

Mind Uploading Bereits 1971 formulierte George M. Martin die Idee, den Menschen nicht im biologischen, sondern im digitalen Sinn unsterblich zu machen. Dafür müssten die Informationen des Gehirns und seine Prozesse auf ein externes, digitales Medium übertragen werden – ein hypothetisches Konzept, denn jenseits der schieren Zahl von Neuronen und Synapsen ist noch immer nicht klar, wie Bewusstsein auf der neuronalen Ebene erzeugt wird.

Neuralink Am 29. Januar 2024 veröffentlichte Elon Musk die Neuigkeit, dass sein Unternehmen Neuralink erfolgreich einen Chip als Brain-Computer-Interface in das Gehirn eines Menschen implantiert habe. Das Ziel des Unternehmens ist es in erster Linie, Erkrankungen des Gehirns und des zentralen Nervensystems zu behandeln, aber langfristig auch Human Enhancement.

Panagrolaimus kolymaensis Eine von zwei Arten mikroskopisch kleiner Fadenwürmer, die Wissenschaftler*innen 2018 im sibirischen Permafrostboden gefunden haben. Nach 46.000 Jahren im Eis konnte das unscheinbare Geschöpf seinen schlafähnlichen Zustand der Kryptobiose wieder verlassen, sprich: lebens- und fortpflanzungsfähig aufgetaut werden.

Superintelligenz Im transhumanistischen Diskurs wird eine Superintelligenz als Intellekt definiert, der dem menschlichen Denken qualitativ wie quantitativ, in kreativer wie sozialer Hinsicht überlegen ist. Denkbar wären dafür KI oder biologisch (durch Gentechnik) oder technologisch (durch Computerchips o. Ä.) optimierte Gehirne. Philosophen wie Nick Bostrom halten eine Intelligenzexplosion mit exponentieller Geschwindigkeit für wahrscheinlich: Eine sich immer weiter optimierende Superintelligenz würde sich rasend schnell der Kontrolle entziehen.

Virtuelle Realität Die theoretischen Konzepte der heutigen VR reichen in die 1960er Jahre zurück, darunter ein von Ivan Sutherland skizziertes visuelles Ausgabegerät namens »Sword of Damocles«. Erst mit größeren Rechnerkapazitäten und Virtual-Reality-Headsets wie Oculus Rift aus dem Jahr 2012 konnten sich diese Überlegungen praktisch umsetzen lassen. Zu den Anwendungen von VR zählt inzwischen auch die Therapie von psychischen Störungen wie Angst- und posttraumatische Belastungsstörungen. Therapien mit VR erzielen dabei vergleichbare Effekte wie klassische Expositionstherapien.

Erstellt von Benjamin Wäntig