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Auf ein Wort Im Gespräch mit … Theaterblog

Einblicke in den Kommunen-Kochtopf

Gemeinsam Kochen und Essen – zentral für jede Gemeinschaft. In der Inszenierung »Die Kommune« (nach dem gleichnamigen Film von Thomas Vinterberg), die noch bis zum 15. Juli in der Alten Feuerwache zu sehen ist, geht es um eine Kommune, in der natürlich auch gekocht und gegessen wird. Das Besondere dabei ist, dass Schauspieler Fabian Gröver während der abendlichen Vorstellung in der Rolle des Steffen, live Suppe kocht. Hier einige Einblicke in den Kommunen-Kochtopf.

Sobald Steffen (Fabian Gröver) in die Kommune aufgenommen wird, beginnt er seine Kochutensilien aufzubauen. Raimund Widra und Anna Jörgens helfen ihm beim Kartoffelschälen. Foto. Martin Kaufhold

Fabian, du kochst während der Inszenierung „Die Kommune“ eine Suppe, die dann pünktlich zum Ende der Vorstellung fertig sein muss, damit die Schauspieler sie im Schlussbild gemeinsam essen können. Wie kriegst du das hin?

Das steht und fällt natürlich zuerst einmal mit der Auswahl des Rezepts. Ich habe mich bewusst für eine Suppe entschieden, die am Ende der Garzeit püriert serviert wird, da ein ‚al dente‘-Gericht dauerhafte Präsenz am Herd und ein komplexeres Timing erfordert hätte. Bei unserer Kartoffelsuppe kommt es auf 10-20 min extra Garzeit nicht an, weil am Ende eh alles durch den Stabmixer geht. Dankenswerterweise helfen mir zu Stückbeginn auch noch zwei Kolleg*innen beim Schälen der Zutaten, sonst wäre ich vor Zeitdruck vermutlich nach der ersten Szene bereits schweißgebadet.

Kurz vor dem Pürieren fügt Fabian Gröver noch ein Stück Butter in die Suppe. Foto. Martin Kaufhold

Verwendest du jeden Abend dasselbe Rezept oder haben die Kommunarden einen abwechslungsreichen Speiseplan?

Das Rezept ist immer dasselbe. Einerseits um die Requisitenabteilung, die die Lebensmitteleinkäufe erledigt, nicht immer mit neuen Aufgaben loszuschicken und andererseits auch mir, der ja nicht nur kochen, sondern auch spielen muss, eine gewisse Routine zu ermöglichen. Bisher haben sich die Kolleg*innen noch nicht über den eintönigen Speiseplan beschwert, aber wer weiß…
Zum Glück spielen wir an diesem Haus nicht „en suite“, sonst hätte ich mir bei 30 oder mehr aufeinanderfolgenden Vorstellungen wohl Alternativen überlegen müssen.

 Kannst du dich noch auf deine Rolle konzentrieren, wenn du nebenher kochst?

Ja, das geht schon, aber bis die Suppe erst einmal angesetzt ist, ist es doch eine Herausforderung. Dialogen folgen, als Figur mitdenken und zeitgleich Zwiebeln und Kartoffeln schneiden…das hatten wir auf der Schauspielschule nicht.

Bernd Geiling als Ole (rechts) darf entscheiden: Wer aus dem Publikum bekommt heute den Publikumsteller? Foto. Martin Kaufhold

Am Ende des Abends bekommt eine Person aus dem Publikum auch einen Teller Suppe. Was muss man tun, wenn man in diesen Genuss kommen will?

Am besten einen Platz in der ersten oder zweiten Reihe ergattern und dem Kollegen Bernd Geiling (alias „Ole“), der die Suppe ausliefert, hungrig in die Augen starren. Offensives Heranwinken dürfte aber auch zum Erfolg führen.
Kochen und essen ist für dich persönlich?

Das sind für mich zwei verschiedene Paar Schuhe. Ich persönlich koche lieber, als dass ich esse. Kochen ist irgendwie sinnlicher, erweitert meinen Horizont.
Der Verzehr kommt mir dagegen immer fürchterlich profan vor. Anders ist es, wenn man z.B. für Freunde kocht, denn im Idealfall spiegelt sich mein „Aha-Erlebnis“ beim Zubereiten dann in den Gesichtern der Essenden wider. Klappt aber nicht immer…da habe ich dann Pizza bestellt.

Kurz vor Ende der Vorstellung…scheint zu schmecken! Foto. Martin Kaufhold

Wer die Kommunen-Suppe nachkochen möchte, findet das Rezept unter: Kartoffelsuppe mit Sauerkraut und Laugenchips in: Tim Mälzer: Neue Heimat, Kochbuch, Mosaik Verlag ISBN: 978-3-442-39338-1

Das Gespräch wurde von Simone Kranz geführt.