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NAFULES REISEN – Klezmer für Kinder im Staatstheater

Sie lacht, sie faucht, sie weint, sie singt… Wenn Helmut Eisel auf der Klarinette spielt, vergisst man alles um sich herum. Tatsächlich: Er erzählt, spricht durch sein Instrument. Im Kinderkonzert NAFTULES REISEN wird genau das zum Thema.

Der große Musikus und Wandermusikant Naftule – gespielt von Helmut Eisel – stammt aus Sinfonien. Einem Land, in dem nur mit Klang, Tönen, Rhythmus gesprochen wird, nicht aber mit Worten. Gemeinsam mit einem Streichquartett des Saarländischen Staatsorchesters nimmt Naftule das Publikum mit auf eine Reise in die Welt des Klezmers. Es geht nach Jerusalem, Budapest, Berlin und sogar bis in die USA. Die Arrangements sowie die Geschichte über Naftule stammen allesamt aus der Feder von Helmut Eisel.

Wie die Figur Naftule ist auch Helmut Eisel im echten Leben ein ganz außergewöhnlicher Musiker. Einer, dem schon immer wichtig war, möglichst individuell zu klingen – und der in seiner Jazz- und Bigbandzeit irgendwann wieder die Klarinette auspackte, weil es ihn nervte, dass es in dieser Szene so viele Saxophonisten gab. Einer, der erst Mathematik studierte – mit dem Hintergedanken, damit ausreichend Geld zu verdienen, um nur auf einer halben Stelle zu arbeiten, um genug Zeit für die Musik zu haben, die er wirklich machen will. Einer, der irgendwann auf den weltberühmten Klarinettisten Giora Feidman traf, der später über ihn sagte: »Wenn du nur ein paar Takte hörst, weißt du sofort, das ist Helmut! Und wenn nicht, dann ist er’s auch nicht!«. Die beiden verbindet mittlerweile eine jahrelange Zusammenarbeit und Freundschaft. Helmut Eisel kehrte zu Beginn der 1990er Jahre der Unternehmensberatung und Softwareentwicklung ganz den Rücken und zählt inzwischen zu den vielseitigsten, bedeutendsten und interessantesten Klezmer-Musikern der heutigen Zeit.

Als Improvisations- und Klezmer-affine Theaterpädagogin und Musikerin freue ich mich riesig, an dieser Kooperation beteiligt zu sein und genieße die Probenarbeit. Nicht selten passiert es zum Beispiel, dass die vier Musiker*innen des Staatstheaters beratschlagen, wie sie in das rhythmische Feeling für das jeweilige Stück finden. Dann fallen Sätze wie »Also in unserer Sprache übersetzt heißt das glaub ich …«. Und nicht zum ersten Mal in der Zusammenarbeit mit klassisch ausgebildeten Musikern ist Helmut Eisel damit konfrontiert, dass sich die Orchestermusiker*innen zu sehr an sein Tempo anpassen wollen. Denn wenn er soliert, dann spielt er oft absichtlich eher hinter dem Beat – im Jazz würde man sagen laidback. In Klezmer- oder Jazzbands wäre das völlig klar – die Orchestermusiker*innen hingegen haben eigentlich gelernt, auf das Tempo des Solisten zu reagieren. Und auch bei manchen Tönen in der Partitur vergewissern sich die vier Musiker*innen vorsichtshalber, ob dieser oder jener ungewöhnliche, notierte Klang tatsächlich so richtig sei.

Und trotzdem: Es harmoniert schnell innerhalb des Ensembles und schon bei der zweiten Probe habe ich den Eindruck, dass sich das Gefühl für die Musik über Helmut Eisel auf die anderen Musiker*innen mehr und mehr überträgt. Ich bin überzeugt, dass sich auch unser junges Publikum nicht dem Bann der Klezmer-Musik entziehen kann.

Wer mit mir – in meiner Rolle als Pino, der Erzählerin – den wilden, fröhlichen und auch sentimentalen Klängen der fünf Musiker*innen lauschen oder gar dazu tanzen will, hat am 20. Oktober (Donnerstag, 10:00 Uhr) und 21. Oktober (Freitag, 10:00 Uhr) Gelegenheit.  Der 6. November ist bereits ausverkauft.

Bis dahin kümmern wir uns noch um Federboas, Ketten und Hüte – damit alles darauf vorbereitet ist, wenn wir gemeinsam mit Naftule das Berlin der 1920er Jahre besuchen.

Johanna Knauf
Theaterpädagogin für Konzert und Musiktheater

Weitere Informationen und Konzerttermine findet man auf der Website von Helmut Eisel: helmut-eisel.de

Karten gibt es an der Vorverkaufskasse über 0681 3092 486, oder kasse@staatstheater.saarland

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Aus dem Probenalltag Hinter dem Vorhang

UNTER DER ERDE

Eine Burg, ein Schauspieler und ein stummer Kollege, der aber ein heller Kerl ist

Zwischen Keller und Tropfsteinhöhle. Ziemlich gut eigentlich für ein Theaterstück, in dem es ums Alleinsein geht, ums Erinnern, ums Ausgraben der eigenen Jugendzeit mit all ihren übergroßen Emotionen und den Entscheidungen, die man nicht getroffen hat. Perfekt für Sibylle Bergs Monolog PAUL ODER IM FRÜHLING GING DIE ERDE UNTER.

Es ist ein besonderer Ort: 14 Meter unter dem Saarbrücker Schlossplatz liegt seit Jahrhunderten eine unterirdische Burg. Um dorthin zu kommen, gehe ich durch den biskuitrollenartigen Eingang des Historischen Museums Saar, steige Treppen hinunter und stehe in einer anderen Welt. Um mich herum die mächtigen Mauern des Burggrabens, alles bedeckt von rötlichem Staub. Der Geruch irgendwo zwischen Keller und Tropfsteinhöhle. Ziemlich gut eigentlich für ein Theaterstück, in dem es ums Alleinsein geht, ums Erinnern, ums Ausgraben der eigenen Jugendzeit mit all ihren übergroßen Emotionen und den Entscheidungen, die man nicht getroffen hat. Perfekt für Sibylle Bergs Monolog PAUL ODER IM FRÜHLING GING DIE ERDE UNTER.

Es fällt kein Sonnenlicht in diese rotbraune Welt, dafür haben sich unter den Lampen am Boden kleine grüne Gärten entwickelt. Inspiriert von den Miniaturpflanzen denken Dramaturg Horst Busch, Bühnenbildner Matthias Kowall und ich darüber nach, wie das Bühnenbild aussehen könnte: sehr viele Hängepflanzen an den Steinwänden zum Beispiel, um die eigenen Erinnerungen aus- und einzugraben? Oder vielleicht lieber einzelne Teddybären, um die Reise in die Kindheit zu erzählen? Am Ende entscheiden wir: Der Raum selbst ist Bühnenbild genug.

Die Wände mit ihren unterschiedlichen Strukturen, die eine aus Quadern mit flacher Oberfläche, die andere mit riesigen Bögen bis unter die Decke, zwischen die man sich schmiegen kann, die Rückwand unregelmäßig, dafür mit Notausgangsschild. Ich untersuche zusammen mit dem Schauspieler Bernd Geiling, der Paul spielt, wie wir alles was wir zum Spielen brauchen in diesem Raum finden können: Die Steckdose für den imaginären Staubsauger, den Safe in der Wand, selbst den See, an dessen Ufer Paul sein Zelt aufschlägt. Als einziges Requisit entscheiden wir uns für einen tragbaren Scheinwerfer. In der Probenarbeit taufen wir ihn „Scheini“ und probieren aus, wie Bernd dieses technische Gerät zu seinem Kompagnon machen kann. Scheini wird in der Inszenierung nach und nach zu Pauls Begleiter und Ansprechperson in schwierigen Lebenslagen, z.B. wenn Paul sich wundert, dass Menschen nicht mehr alt werden wollen und selbst Eltern heute gerne „Ab Cracks“ hätten. Auch Maxine Theobald schließt ihn ins Herz, obwohl sie ihn als Abendspielleiterin zu jeder Vorstellung über mehrere Treppen an unseren Spielort tragen muss.

Der Scheinwerfer sorgt allerdings auch dafür, dass uns Museumsbesucher, die während unserer Proben immer mal wieder durch die Burg spazieren, fragen, welchen Film wir denn drehen. Dann grinsen wir und erzählen von Sibylle Berg, Paul und unseren zwei wichtigsten Nebendarstellern: Scheini und dem unterirdischen Burggraben.

Lucia Reichard, Regisseurin

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KLARHEIT IN DER UNKLARHEIT

Einsichten einer Dramaturgiehospitantin, die den Probenprozess von BERENIKE begleitet hat

Es gibt offensichtlich einige Fragen, die ich mir im Probenprozess zur Tragödie BERENIKE von Jean Racine gestellt habe: Wer ist eigentlich diese Berenike und welche Ziele hat sie? Wie heutig ist die Figur? Welche Rolle spielt die Politik in ihrem Leben?
Der Text, 1670 uraufgeführt, spielt im Jahr 79 nach Christus. Titus (Jan Hutter) ist gerade römischer Kaiser geworden und ist mit Berenike verlobt. Da gibt es aber auch Antiochus (Sébastien Jacobi), ein Freund von beiden aus Judäa, der Berenike seit Jahren liebt. Beim Versuch, Antworten auf diese vielen Fragen zu finden, habe ich mit Laura Trapp (Schauspielerin der Berenike) und Alice Buddeberg (Regisseurin) gesprochen.

Schon bei meiner ersten Probe ist mir aufgefallen, dass es im Text keineswegs nur um eine tiefe Liebe geht, die durch äußere (und innere?) Umstände nicht in einem Happy End enden kann. Es geht vor allem auch darum, dass Frauen – egal in welchem Zeitalter – zu oft in Zwänge gebracht werden.
Dabei ist es irrelevant, ob diese Zwänge von Mitmenschen, Partner*innen oder äußeren Einflüssen begünstigt werden. In Berenikes Fall wird nie klar sein unter welchen Umständen und aus welchen Gründen sie – und auch Antiochus – nach Rom gekommen sind. Bei Racine ist die Liebe zu Titus der Grund, doch wir können uns nicht sicher sein, dass er das auch wirklich war. Doch wie damit umgehen? Sich der Menge beugen, die sie als Nicht-Römerin nie akzeptieren wird und ihren Weggang fordert? Einen Kompromiss finden? Der großen Liebe entsagen und mit dem zweitbesten gehen, der sie auch liebt? Einfach gehen – allein und ohne sichtbaren Plan? Im Stück werden verschiedene Optionen durchdacht und geplant.

Was interessiert uns aber an der Person Berenike? Erstmal vor allem der Konflikt in den sie im Krieg gerät: unter welchen Umständen und mit welchen Gründen kommt Berenike nach Rom? Welchen politischen Zwängen ist sie aufgrund des Krieges unterworfen? Ganz klar ist für Alice Buddeberg, dass sie in einer kaputten, kriegerischen Welt lebt, in der sie nicht anerkannt wird und die Beteiligten sich dann in Privatismen begeben, die natürlich vom Außen geprägt sind. Titus´ Vertrauter Paulinus (Fabian Gröver) vertritt die Menge des römischen Volkes, deren Ansichten und/oder seine eigenen Interessen.

Wie also eine so alte und doch so aktuelle Figur darstellen?

Laut Laura Trapp helfen vor allem die Kostüme mit Korsett und Pumphosen dabei den erhabenen, königlichen Aspekt darzustellen – nicht gerade etwas, was man heute häufig privat erlebt. Spannend ist auch, dass alle Schauspieler*innen das gleiche Grundkostüm tragen (Kostüm und Bühne Sandra Rosenstiel), was alle Genderfragen äußerlich irrelevant werden lässt. Ganz klar ist für sie aber auch, dass die Beziehungsgespräche, die im Stück geführt werden, auch heute noch so geführt werden. Die Sprache mag zwar eine andere sein, doch der Inhalt ist gleich. Auch in der Sozialisation von Frauen und Männern – Frauen suchen das Gespräch, trösten, unterstützen und Männer schweigen – gibt es eine Parallele. Auch Berenike erlebt das durch die Unwissenheit und Unklarheit, in der sie gelassen wird. »Sprich mit mir!« ist daher nicht ohne Grund einer der wichtigsten Sätze im Stück! Um ihre Zwänge und inneren Zustände darzustellen, hilft auch die Musik (Mirjam Beierle).

Jan Hutter (Titus) und Laura Trapp (Berenike). © Martin Kaufhold.

Der historische Hintergrund

Eine weitere spannende Frage ist die, was mit Berenike nach ihrer Zeit bei Titus in Rom passiert ist. Alle historischen Spuren verlieren sich kurz danach. Das Schöne an der Freiheit des Theaters ist in diesem Fall, dass jede*r ein eigenes persönliches Ende ihrer Geschichte finden kann. Ich bin sicher, jede*r Beteiligte*r hat seine eigene Version der Fortsetzung.

Berenike soll ganz klar keine wütende oder emotionale Furie sein, die typisch weiblich gelesen wird. Sie ist eine intelligente Frau, die wütend ist, doch der Auslöser dafür ist eine große zugrundeliegende Angst und Unsicherheit. Berenike ist ein Mensch der viel durchgemacht hat und versucht seine Gefühle zu ordnen und damit zu leben. Wie Alice Buddeberg schön beschreibt, ist sie radikal in ihrer Liebe aber sieht für sich nur einen Ausweg, den ich jetzt hier nicht vorwegnehmen will. So viel sei gesagt: sie wird gestärkt aus der Situation hinausgehen.

Über die Autorin dieses Artikels: Christina Schmidt (20) ist Studentin der Theaterwissenschaft und Germanistik an der JGU Mainz und hat in ihrer Dramaturgiehospitanz sowohl die Proben begleitet, als auch in der Dramaturgie gearbeitet. Ihre Aufgaben changierten von Bühneeinrichtung über Fassung aktualisieren zu Blogbeitrag schreiben. 

BERENIKE ab 17. September 2022 in der Alten Feuerwache des Staatstheaters.

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Spielzeit-Vorfreude: TPZ

Eine persönliche Spielplanvorstellung der Theaterpädagoginnen

Die Theaterpädagoginnen des Saarländischen Staatstheaters haben vor allem eines im Sinn: Den Spielplan möglichst nah an Menschen heranbringen. Und Nähe entsteht ja vor allem durch emotionale Verbindung und persönliche Ansprache. Ganz nach der Maxime »Was du selbst besonders gerne magst, das empfehle weiter«, stellen Anna Arnould-Chilloux, Johanna Knauf, Meike Koch und Luca Pauer ihre Herzensprojekte 2022 und 2023 vor.

Anna Arnould-Chilloux

Als Theaterpädagogin für Schauspiel und Tanz freue ich mich diese Spielzeit wieder die Schreibwerkstatt zu veranstalten und mit der Gruppe so oft wie möglich zu schreiben.
Unser Ziel ist ein eigenes Stück zu schreiben. Wir arbeiten auch mit Stücktexten, die in der Spielzeit gespielt werden und analysieren Methoden der Texte, die uns am meisten bewegen.

Natürlich freue ich mich auch auf viele Vermittlungs-Workshops, die ich in saarländischen Schulen das ganze Jahr über machen werde. Ich finde es besonders spannend jedes Mal eine neue Gruppe kennenzulernen und den Schüler*innen etwas Neues und Verrücktes zu präsentieren. Da das Stück TERROR im Saarland Schullektüre ist, werden bestimmt viele Lehrer*innen sich bei uns melden. Ich freue mich sie in ihrer Arbeit zu unterstützen und einen künstlerischen Zugang zu diesem Stoff zu ermöglichen.
Und last but not least bin ich sehr gespannt auf das Projekt ONOMATOPOESIE, ein deutsch-französisches Jugendorchesterprojekt, das wir von Dezember bis Juli proben werden. Wir planen schon seit mehr als einem Jahr und nun wird es endlich Realität. Schüler*innen aus der Schule Rastbachtal (Saarbrücken), aus dem Collège Claudie Haigneré (Freyming- Merlebach) und aus dem Collège Himmelsberg (Sarreguemines) werden sich während der Spielzeit im Theaterprojekt kennen lernen und miteinander spielen. Premiere feiern wir am 7. Juli auf die Bühne des Großen Hauses.

Johanna Knauf

Als ich im Februar 2020 voller Elan am Staatstheater als Theaterpädagogin für Konzert und Musiktheater startete, begann bereits nach ein paar Wochen die Pandemie. Ausnahmezustand. Statt die vielen Mitarbeitenden des Hauses kennenzulernen, sollten wir uns nun eher aus dem Weg gehen. Und statt Schulklassen bei uns im Theater zu empfangen, mussten wir nach virtuellen Wegen suchen, im Kontakt zu bleiben. Nicht einfach, wenn doch gerade der Kontakt in das Theater und aus dem Theater hinaus den Nährboden für die eigene Arbeit stellt.

Nun bin ich nach langer Pause frisch aus der Elternzeit zurückgekehrt und habe das Gefühl: Jetzt geht es so richtig los! Ich bin davon überzeugt, dass ein früher und vor allem persönlicher Kontakt mit den darstellenden Künsten prägend für das weitere Leben ist. Daher freue ich mich ganz besonders, dass das Theater wieder ein offener Ort ist, an dem wir das junge Publikum auch hinter den Kulissen willkommen heißen.

Auf das junge Publikum wartet dieses Jahr ein sehr abwechslungsreiches Programm. Im Oktober und November führen wir zum Beispiel mit dem herausragenden Klezmer-Klarinettisten Helmut Eisel sein Stück NAFTULES REISEN für Kinder ab 3 Jahren auf – ich darf als Erzählerin mitwirken. Auf die Umsetzung der zeitgenössischen Kinderoper DAS KIND DER SEEHUNDFRAU bin ich ganz besonders gespannt. Zum Ende der Saison steht für mich dann die Konzertentwicklung MONA UND DER TURM DER STILLE auf dem Programm: Ein Kinderkonzert zum Mitmachen.

Mir liegt es am Herzen, nicht nur Kindern und Jugendlichen, sondern Menschen jeden Alters alternative Zugangsweisen zu Musik und Theater zu ermöglichen. Daher freue ich mich auch sehr auf das Ensemble der Klangwütigen, in dem wir gemeinsam alles Mögliche zum Klingen bringen werden: den Körper, die Stimme, Instrumente – aber eben auch Alltagsgegenstände, Literatur oder bildende Kunst.

Meike Koch

Ich bin sehr glücklich darüber, in dieser Spielzeit weiterhin in der Abteilung Theaterpädagogik unterstützen zu können, bei vielen spannenden Projekten dabei zu sein und meinen Kolleg*innen über die Schulter zu schauen, um weiter dazuzulernen. Dieses Jahr wird man mich hauptsächlich im Hörsaal antreffen, damit ich bald mein Studium abschließen kann. Trotzdem bin ich weiterhin einmal pro Woche im Theater.

Absolutes Highlight wird vor allem die Zeit unseres Weihnachtsmärchens „Hinter verzauberten Fenstern“. Wir besuchen Schulklassen und bieten verschiedene Formate an, um die Schüler*innen auf den Theaterbesuch vorzubereiten. Ich bin schon sehr gespannt darauf, welche Schulen ich besuchen darf!

Außerdem werden wir in dieser Spielzeit unsere Kinder-Musikwerkstatt fortführen und weiterentwickeln. Während die (Groß-)Eltern sonntags das Sinfoniekonzert besuchen, können Kinder im Alter von 4 bis 9 Jahren zu Johanna und mir kommen und spielerisch die Welt der Musik mit uns entdecken. So viel kann ich schon einmal verraten: es wird ein großer Spaß!

Mir ist es darüber hinaus eine besondere Herzensangelegenheit nicht nur Schulen, sondern auch Vereine für unser theaterpädagogisches Angebot zu begeistern. Wir haben im Saarland unglaublich viele Vereine, die sich in außerschulischer Jugendarbeit und Kulturförderung engagieren. An sie möchte ich eine herzliche Einladung aussprechen, sich mit unserer Abteilung in Verbindung zu setzen, um sich über verschiedene Möglichkeiten für ihre kleinen und großen Mitglieder zu unterhalten.

Luca Pauer

Diese Spielzeit wird für mich ganz im Zeichen der Teilhabe und Mitgestaltung stehen. Es ist dringend wieder an der Zeit Menschen an Theater zu beteiligen und sie mitspielen zu lassen. Die Idee des ensemble4, des Bürger*innenensembles, will weitergeführt und intensiviert werden.

Gleich zu Beginn der Spielzeit, werde ich ein Projekt mit Bürger*innen in Luxemburg umsetzen. Die Idee: eine theatrale Hommage an eine Partnerstadt. Das Netzwerk Quattropole zwischen Trier, Luxemburg, Metz und Saarbrücken initiiert performative Postkarten über jeweils einen Städtepartner. Bei einem Festakt werden vier kleine »performative Postkarten« unter dem Titel »Voices« aufgeführt. Saarbrücken wird eine Präsentation über Metz erarbeiten. Saarbrücken wird von Luxemburg in Szene gesetzt. Es freut mich sehr, dass wir die Möglichkeit haben werden auch über Landesgrenzen hinaus mit unserem Bürger*innenensemble spielen zu können.

Im Anschluss geht es weiter mit der sparte4-Produktion »Oh Mama! «, in der ich mit Saarbrücker Müttern, Nicht-Müttern und solchen, die weder noch sein wollen im Rahmen des ensemble4 zusammenarbeite. Rebekka David wird mit Schauspieler*innen eine Produktion erarbeiten, die auf Interviews von Bürger*innen basiert. Ich bin sehr stolz, dass Thorsten Köhler und ich, Rebekka dafür gewinnen konnten. Sie ist eine sehr inspirierende junge Regisseurin, die dieses Thema schon auf dem Zettel hatte, bevor wir die Idee dazu hatten. Dass sie guten Gewissens als »aufsteigender Stern am Regiehimmel« bezeichnet werden kann, die eine Menge Glanz in die sparte4 bringen wird, will ich hier nicht unerwähnt lassen. Ich freue mich auf diese Arbeit und bin extrem gespannt auf die Ergebnisse dieser Recherche.

Die Spielzeit abschließen darf ich wie immer mit meiner Inszenierung des Jungen Ensembles im April. Diesmal untersuchen wir als »Hamlets Kinder« die Zeit, die aus den Fugen gerät, aber auch das persönliche »Lostsein« jeder einzelnen.

Weitere Informationen zum Mitmachen gibt es auf unserer Website:

https://www.staatstheater.saarland/theater-und-schule

und

https://www.staatstheater.saarland/mitmachen

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DANK NACH DER PREIS-VERLEIHNUNG DES SPONSORCLUBS

Nachdem der SponsorClub mit den drei Vorstandsmitgliedern Detlef Thiery, Monique Bender und Prof. Peter Schweitzer an der Spitze die diesjährigen SponsorClub-Preise an Hope Dougherty (Ballett), Sébastien Jacobi (Schauspiel) und Angelos Samartzis (Musiktheater) im Restaurant Schloss Halberg die diesjährigen Preise verliehen hatten, bedankten sich die Künstler:innen jeweils mit einem besonderen künstlerischen Beitrag.

Hope Dougherty in Aktion.

Die Amerikanerin Hope Dougherty, die an der New Yorker Juilliard School ihre Ausbildung bekam und seit der Spielzeit 2016/17 zum Ensemble des Saarländischen Staatsballett gehört, tanzte gekonnt ein wundebares Solo zwischen den Tischen und Stühlen der Festgesellschaft.

Angelos Samartzis bedankt sich mit einem Lied.

Der in Athen geborene Tenor Angelos Samartzis bedankte sich nicht – wie vielleicht zu erwarten gewesen wäre – mit einer Opernarie, sondern mit einem Lied aus seiner Heimat Griechenland.

Sébastien Jacobi mit einem Modell aus seiner Produktion »Reise!Reister!«

Und der Schauspieler, Regisseur, Bühnenbildner und Übersestzen Sébastien Jacobi brachte ein Bühnenbildmodell mit und zeigte einen Auschnitt aus seiner Produkion REISE! REISER! Es folgte eine Dankesrede, die hier zitiert sein soll:

Dies war ein Ausschnitt aus Karl Philipp Moritz Roman »Anton Reiser«, der zwischen 1785 und 1790 erschien und den ich 2011 für das Schauspiel Frankfurt dramatisiert, in Hamburg, Berlin, Köln und Bochum gespielt habe und auch hier am Saarländischen Staatstheater mit dem Titel »Reise!Reiser!« präsentieren durfte.

Die »Einbildungskraft« ist in der Tat ein wesentlicher Motor für das Theater – ist aber eben auch nicht ganz ungefährlich. Diese Kraft unterscheidet ganz wesentlich den Kunst-Raum von der realen Welt. Diese Unterscheidung muss aber immer wieder trainiert werden – gerade in einer Zeit, die doch sehr dazu neigt Fiktionen von Realitäten nicht mehr selbstverständlich unterscheiden zu können oder zu wollen und die derzeit immer mehr dazu neigt, auch Kunst-Räume wieder ideologisch kontrollieren zu wollen, vermeintlich »sauber oder gesund« zu halten, teilweise ja aus durchaus verständlichen Motiven heraus, mit edlen Zielen.

Aber: Kunst – Gesund?

»Verrückt kann man nur dann werden, wenn es wenigstens ein bisschen Freiheit gibt:

Keine Freiheit – kein Wahn

Kein Wahn – keine Freiheit«.

Selbstverständlich sollten auch Kunst Räume nicht von beliebigem Wahn missbraucht werden und sicher ist es notwendig, auch Kunst Räume immer wieder, auf ihren gesellschaftlichen Auftrag, auf Begrifflichkeiten, Zeichen und Sprache zu hinterfragen.

Das Unterscheiden von »Licht« und »Irrlichtern« – will trainiert sein und erfordert Verantwortungs-Bewusstsein, dennoch bleibt es notwendig sich zeitweise irgendwo gewissen Irrlichtern, Abgründen, Widersprüchen, ja vielleicht auch manchen sogenannten »Unkorrektheiten« einfach auszusetzen. Einfach um Erfahrungen noch machen zu können, von denen im besten Fall, dann alle etwas lernen können.

Der russische Regisseur, Kirill Serebenikow, der, als Putin Kritiker, Jahre in Hausarrest gehalten wurde, hat diesen Sommer für das Festival Avignon in Koproduktion mit dem Thalia Theater Hamburg eine Erzählung von Tschechow auf die Bühne gebracht. Anton Tschechow hat in dieser Erzählung von 1894 »Der schwarze Mönch« einen Menschen, mit dem Namen Kowrin, beschrieben, der in der Begegnung mit einer »Luftspiegelung« (eben einem schwarzen Mönch) sich zum Genie erklären lässt und sein totales Glück findet aber ebenso total aus seiner Realität entrückt wird. Seine Mitmenschen können ihn nur noch als Irre wahrnehmen und treiben ihm mit Hilfe der Medizin seine Visionen aus – machen ihn wieder »gesund«; woraufhin er, wie ein Drogenabhängiger auf Entzug, ins Unglück stürzt und seinen

Mitmenschen Vorwürfe macht: »Wozu, wozu habt ihr mich in ärztliche Behandlung gegeben? Die Brompräparate, das Nichtstun, die warmen Bäder, die Aufsicht, die kleinmütige Angst bei jedem Schluck, bei jedem Schritt – das alles macht mich zu guter Letzt zum Idioten. Ich war im Begriff, den Verstand zu verlieren, ich litt an Größenwahn, aber dafür war ich vergnügt, frisch und sogar glücklich, ich war interessant und originell. Jetzt bin ich vernünftiger und ernster, aber dafür bin ich so wie alle: ich bin eine Mittelmäßigkeit, das Leben langweilt mich. Oh wie grausam seid ihr mit mir umgegangen! Ich habe Halluzinationen gehabt, aber wen hat das gestört? Ich frage: Wen hat das gestört? Wie glücklich waren Buddha und Mohammed oder Shakespeare, daß die lieben Verwandten und die Ärzte sie nicht von der Ekstase und der Inspiration geheilt haben! Wenn Mohammed für seine Nerven Bromkali eingenommen, nur zwei Stunden am Tag gearbeitet und Milch getrunken hätte, dann wäre von diesem bemerkenswerten Menschen ebensowenig übriggeblieben wie von seinem Hund. Die Ärzte und die lieben Verwandten werden es zu guter Letzt dahin bringen, daß die Menschheit verdummt, die Mittelmäßigkeit wird als Genie gelten, und die Zivilisation wird untergehen. Wenn ihr wüsstet, wie dankbar ich Euch bin!«

ANDERS – IN WELCHER WELT? So lautet das Spielzeitmotto.

Wie wollen wir leben in was für einer Welt? Was wollen oder müssen wir ändern und was wollen wir erhalten oder müssen wir vielleicht sogar wieder lernen mehr wert zu schätzen? Und wie erreichen wir dieses »Anders«?

Um diese Fragen noch untersuchen zu können, ohne in der Realität gleich dem nächsten Wahnsinn zu verfallen, brauchen wir doch immer noch ein paar Wahnsinnige, die einen Kunst-Raum bespielen können und ich bin sehr dankbar, einer dieser Wahnsinnigen sein zu dürfen – auch dank Ihrer Unterstützung.

Ich betrachte die Arbeit am Theater als eine Forschungsarbeit in einem Labor. Daß aus diesem Labor ab und zu auch sehr unterhaltsame, kulinarische – ja, auch einfach schöne und gesunde – Abende herauskommen, die man mit einem – gesunden – Publikum teilen möchte – das ist ein zusätzliches Glück.

Und ich danke Ihnen sehr, daß sie das honorieren wollen und können und ganz konkret unterstützen! Das ist nicht selbstverständlich.

Unser Auftrag sollte unbedingt sein, diese Forschungsarbeit an menschlichen Gefühlen, Gedanken, Stimmen und Gesten, an Utopien, an Verirrungen, an Entwürfen, aber auch an traumatischen Erfahrungen weiter ernsthaft zu betreiben und somit die Millionendeutigkeit der menschlichen Existenz immer wieder auszuloten und zu befragen und dann Sie, als Publikum an den Erfahrungen, die wir gemacht haben, teilhaben zu lassen.

Wenn wir diesem Auftrag nicht mehr gerecht werden, dann haben Sie alles Recht mit der Medizin zu kommen – und ich hoffe, daß es mir dann besser ergeht, als der Tschechow Figur Kowrin, die diesen Entzug leider nicht überlebt. Aber das ist ja auch bloss eine literarische Figur. Ich hoffe doch noch etwas mehr zu sein! 😉

Ich bedanke mich sehr bei Ihnen, für diese Einladung und Auszeichnung heute Abend.

Ich bin am Theater ja sehr hybrid unterwegs, bin als Schauspieler, Regisseur, Bühnenbildner, Übersetzer, Filmer aufgetreten, in deutscher und in französischer Sprache. Die Möglichkeit so vielfältig an einem Haus arbeiten zu können ist auch nicht so selbstverständlich. Ich betrachte diesen Preis auch als eine Ermutigung das weiter so zu tun und ebenso als Signal an das Haus, weiterhin seine Mitarbeiter*innen als gesamt-künstlerische Persönlichkeiten zu fördern, ohne Schablonen.

Vielen Dank.

Was für eine bemerkenswerte Rede! Was für ein Plädoyer für Freiheit, Kunst und Theater! Was für eine Einladung Mut zu haben, anders zu sein.

Wie könnten alte Gewohnheiten und vermeintliche Gewissheiten schöner und unterhaltsamer in Frage gestellt werden, als durch das freie und perspektiverändende Spiel der Künstler:innen?

Persönlicher und beglückernder hätte ich mir den Auftakt zur neuen Spielzeit unter dem Motto »Anders! In welcher Welt?« kaum wünschen können.

Vielen Dank an Hope Dougherty, Angelos Samartzis und vor allem an Sébastien Jacobi.

Horst Busch,
Chefdramaturg

© Alle Fotos von Dr. Heiner Maria Klein, Sponsorclubmitglied

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Rückblick zu den Wortakrobaten

Die Schreibwerkstatt des Saarländischen Staatstheaters in der Spielzeit 2021/22

Im Oktober 2021 haben wir angefangen: Wir suchen Freitzeitautor*innen. Wer macht mit?

Und jeden Dienstag haben sich die Teilnehmer*innen der Schreibwerkstatt getroffen. Geschrieben wurde über viele verschiedenen Themen, eine Vielfalt stilistischer Methoden wurde ausprobiert. Geschrieben wurde zum Beispiel mit winterlicher Stimmung auf der Probebühne des Staatstheaters über Weihnachtsfeiererfahrungen:

Schreibwerkstatt Januar 2022

In Frühling philosophierten wir über Gedichte und den Einfluss von Reimen auf Wahrheitswahrnehmung im Chorsaal und beim heißen Wetter auf der Terrasse eines Cafés mit Fotos und Portraits als Impuls für die Kunst der Wiederholung ausprobiert.

Schreibwerkstatt in April 2022

Liebesbriefe von Charakteren, die nicht existieren, wurden über mehrere Wochen per Post verschickt. Absurde und vor allem lustige Alltagslyrik, verrückte Inszenierungsideen und Ironieszenen für die Bühne, inspiriert durch die verschiedenen Stücke der Spielzeit, und tausende andere Kurzformtexten, Gedanken, Träume und Berichte über das Empfinden ´ phantasievoller Figuren durch die verschiedenen Jahreszeiten wurden ins Leben gerufen.

Die Gruppe konnte nach und nach in die Kunst des Inszenierens reinschnuppen, dabei half die Reflexion der Körperbewegungen der Schauspieler:innen. Ein besonderes Higlight war dann: Der Workshop von Anne Rieckhof im Herzwerk. Ein sehr erfrischender Weg, um das Schreiben zu entdecken. https://herzwerk-saarbruecken.de/

Schreibwerkstatt im Herzwerk Mai 2022

Bei dem Stück des Jugendclubs »Die Zeitzeugen der Postapokalypse« wurde ein »erstes Mal« auf der Bühne gewagt und während des Einlasses einige Texte zu Thema »Liebe« vorgelesen.

Den 23.04.2022 auf der Bühne des Alten Feuerwache

Am Dienstag danach, nach der Anweisung »Beschreibe einen Moment, den du jetzt beschreiben musst, um es nie zu vergessen« berichtet Frank:

Wir sind zusammen in der Alten Feuerwache, einer Bühne des Staatstheaters, und lesen gemeinsam unsere Texte, sechs Leute der Schreibwerkstatt. Anstatt alleine zu arbeiten, im Home Office, im Lockdown oder in Quarantäne, arbeiten wir miteinander. Ich lese einen Teil meines Textes, jemand anderes einen anderen Teil, und es ergibt ein wunderschönes Ganzes. Alle unsere Texte stimmen das Publikum auf das kommende Theaterstück ein, das die Jugendgruppe des Theaters aufführen wird. Und das Publikum ist überraschend ruhig, vielleicht hört es uns sogar richtig zu – ich kann es nicht beurteilen, mein ganzer Fokus ist auf meinen Text gerichtet. Vor meinem zweiten Text wage ich mich ganz nach unten auf die Bühne und betrachtete die 200 Menschen, die auf der Tribüne sitzen.
Als Charlotte mit ihrem Gedicht fertig ist, lese ich. Ich bin erstaunlicherweise ganz gelassen und konzentriert, ich spreche ruhig ins Mikrophon, meine Worte fließen. Dann liest Andreas den zweiten Teil des Textes, ich schaue ihm zu, er steht oben in der siebten Reihe. Anna, die Leiterin der Schreibwerkstatt sitzt neben ihm und lächelt: es läuft. Zum Schluss kommt der dritte Teil des Textes, der keinen richtigen Sinn hat, da er einfach nur das Gegenteil des vorherigen Textes sein soll, doch ich lese ihn voller Überzeugung. »Schaut mich an, hört mir zu, ich bin der Mann mit dem Mikrofon, der liest und etwas zu sagen hat!«
Als ich fertig bin, gehe ich nach oben und überreiche Daniel mein Mikrofon. Ich setze mich und höre den anderen beim Lesen zu – ich habe Feierabend. Nach all der Aufregung, nach der ganzen Nervosität, nach dem Stress ist es geschafft, und alles war gut und leicht und schön. Nach unserer Einstimmung spielen die Jugendlichen ihr Stück über Romeo und Julia, das sie erarbeitet haben, und es ist wirklich sehr beeindruckend und sehr gelungen. Am Ende bekommen sie einen langen, lauten, verdienten Applaus, und sogar wir von der Schreibwerkstatt dürfen vor die Bühne gehen und uns etwas Applaus abholen. Das Gefühl, Teil von etwas Größerem und Wertvollen, Teil eines Kunstwerkes gewesen zu sein, ist bei allen Beteiligten zu spüren – nach all der langen Zeit des Isoliert- und Alleinseins wegen der Pandemie.
Ich fühle, dass das Schreiben nicht aus dem Schreibprozess an sich besteht, sondern auch im Teilen des Geschriebenen mit anderen. Wir, die Leute der Schreibwerkstatt, machen noch ein Erinnerungsfoto, gehen ins Weinbistro Hauck und feiern unsere erste öffentliche Lesung.

Frank, ein Wortakrobat.

Kurz nach der Schreibwerkstatt :

Es ist noch keine Melancholie, weil das Gefühl, was bleibt, als ich auf dem Heimweg bin, so positiv ist. Es lässt mich lächeln und das Gute sehen. Ein déjà vu, plusieurs fois, chaque fois en fait.

Egal ich mit gemischten Gefühlen gekommen bin, oder ganz und gar zufrieden. Du hast etwas bewirkt, es ist etwas geblieben, das mehr ist, als die Texte, die wir schrieben. Und an das ich mich gern erinnere. Wir bekamen Methoden an die Hand, Ausstöße und Anstössen, nie ohne ein bisschen Humor vermittelt. Wir lernten über uns, während wir für andere schrieben. Die Stimme verleiht den Worten die Kraft, zu den Herzen durchdringen und sie zu bewegen. Doch die Tinte auf Papier wird ewig bleiben und uns daran erinnern, wie wir zusammensaßen, reflektierten, philosophierten, lamentierten und uns sicherlich auch ein Stück weit engagierten. Und vielleicht schließt sich am Ende der Kreis, in dem wir alle einen Platz haben. Er wird bestehen bleiben, getragen von den Seiten, die ihn erwähnen.

Leandra, eine Wortakrobatin

Danke, euch lieben Wortakrobaten. Es war eine sehr schöne Schreibzeit, die ihr durch eure Motivation und literarischen Ideen und Lächeln möglich gemacht habt.

Nächster Termin: Dienstag den 6. September 2022, von 18 bis 19:30. Jeder zwischen 15 und 100 Jahren der mitschreiben möchte – auch sehr gerne Anfänger:innen oder Freitzeitsautor:innen – ist herzlich eingeladen, Wörter auf Papier mit uns fließen zu lassen. Anmeldung unter: a.arnould@staatstheater.saarland

Bis dahin, möge der Sommer euch zu neuen Geschichten inspirieren…

Bis bald!

Anna Arnould-Chilloux,
Theaterpädagogin für Schauspiel und Tanz